Erfahrungsberichte

Ein Jahr voller Besonderheiten

 

Ein Jahr voller Besonderheiten, der Sonnenhof als zu Hause auf Zeit – FöJ und FsJ

Luisa Melzow und Samantha Marquard berichten

 Name: Luisa Melzow

Geburtsdatum : 27.11.1993

Wo kommst du her?

Ich komme aus dem bescheidenen Dorf Handorf-Langenberg, welches zur Gemeinde Holdorf zählt. Holdorf ist ungefähr 30 km vom Sonnenhof entfernt.

Was bedeutet „FöJ“?

„FöJ“ ist die Abkürzung für „ Freiwilliges ökologisches Jahr“.  Anders als beim FsJ steht hier die Ökologie und der Umweltschutz, sowie auch die Natur und ihre Güter  im Vordergrund. In einem Jahr werden 5 Seminar an unterschiedlichen Orten abgehalten, die Themen wie Globalisierung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Biodynamik  beinhalten.

 

Wie bist du auf den Sonnenhof gekommen?

Nach dem Abitur, welches ich 2012 am Gymnasium Damme absolviert habe, wollte ich ein Jahr Auszeit vom ganzen Schulstress und etwas Neues erleben.

 Da bot sich das freiwillige - ökologische Jahr ( FÖJ)  an, denn ich habe mich schon immer für die Natur und Tiere interessiert. Nach einigen Bewerbungsverfahren landete ich dann beim Sonnenhof. Nach drei aufregenden Tagen Hospitation war es dann entschieden, dass Deindrup mein neues Zuhause auf Zeit wird.

Was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite in der Landwirtschaft. Mein Aufgabenbereich beinhaltet den Fahrdienst für die externen Betreuten, die Pflege der Tiere und die Betreuung der Menschen, die mit mir zusammen in der Landwirtschaft tätig sind.

 Wie ist dein Tagesablauf?

Mein Tag beginnt um 8 Uhr morgens mit dem Fahrdienst. Ich hole die externen Betreuten aus Vechta ab und bringe sie zum Sonnenhof. Um 9 Uhr beginnen wir alle mit dem Morgenkreis, in dem der Tagesablauf besprochen wird. Danach geht es direkt in den Schafstall, um die 300 Lämmer  und die 155 Mutterschafe zu füttern. Auch die Nachzucht, mit ca. 100 Tieren,  muss versorgt werden. Hierbei helfen fast alle Betreuten der Landwirtschaft mit. Das Füttern dauert in der Regel 1,5 Stunden.

Wenn alle Tiere versorgt sind, stehen verschiedene  Arbeiten an, die saisonal variieren, wie die Ernten einholen (Heu, Rüben, Getreide, Kartoffeln und Obst) Holz spalten, Kartoffeln sortieren, Bäume pflanzen , Ställe einstreuen, zu den Außenflächen fahren, um zum Beispiel dort Zäune auf- und wieder abzubauen oder auch die Schafe von einer Weide zur anderen zu treiben. Am Nachmittag geht es dann wieder in den Stall um die Tiere zu versorgen.

Mein Tagesablauf ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Ich bekomme jeden Tag aufs Neue Eindrücke und Erfahrungen im Umgang mit den betreuten Menschen und der ökologischen Landwirtschaft.

Was ist das Schönste was du bis jetzt hier erlebt hast?

Das Highlight meines FöJ´s war mit Abstand die Lammzeit!

Am 06. März ging es los- die ersten Lämmer erblickten das Licht der Welt mit oder ohne Geburtshilfe, welche für mich aber am spannendsten war. Ich durfte bei einigen Lämmern die Rolle der Hebamme übernehmen und ich kann nur sagen, dass es eines der schönsten Gefühle für mich war die erste Person zu sein die diese kleinen Lämmer zu Gesicht bekommen und ihnen im Notfall auf die Beine zu helfen.

Aber auch das gemeinsame Bäume pflanzen hat mir viel Spaß gemacht.

 So einige Schneeball- und Heuschlachten mit den Betreuten waren natürlich eine schöne Abwechslung zum Arbeitsalltag.

Was hat dir dein FöJ gebracht?

Durch das FöJ habe ich meine Berufswahl treffen können. Meine Berührungsängste sind verflogen und meine Selbstständigkeit gewachsen. Außerdem konnte ich neue Fähigkeiten erlernen, von denen ich nie gedacht hätte, einmal mit ihnen in Kontakt zu treten, wie zum Beispiel Treckerfahren. Ich glaube das Wichtigste, was ich aus diesem Jahr schließen kann,  sind die neugewonnenen Kontakte zu den lieben Menschen auf dem Hof. Ich wurde herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen  und möchte diese Kontakte auch weiterhin aufrecht erhalten.

Was Hast du nach deinem FöJ vor ?

Nach meinem freiwilligen ökologischen Jahr beginne ich eine schulische Ausbildung zur Erzieherin am Marienhain in Vechta. Das FöJ hat mir in jedem Fall geholfen meine berufliche Entscheidung zu festigen. Die Arbeit mit den Menschen macht mir großen Spaß und ich werde den Sonnenhof sicher noch nach meinem Jahr besuchen.

 


 

Ein Jahr voller Besonderheiten,  der Sonnenhof als zu Hause auf Zeit – FÖJ und FSJ

 Luisa Melzow und Samantha Marquard berichten

Name: Samantha Marquard

Geburtsdatum: 28.07.1993

Wo kommst du her? Ich komme aus einem kleinen Dorf namens Sievershausen mit ungefähr 1000 Einwohnern. Um die 200km entfernt, im Solling nah an der Grenze zum Harz.

Was bedeutet „FSJ“? FSJ ist die Abkürzung für „Freiwilliges Soziales Jahr“. Ein Jahr das man seinen Mitmenschen widmet. Man kann es zum Beispiel wie ich in einer Wohngruppe für Menschen mit besonderem Hilfebedarf machen, oder in Kindergärten, Krippen, Schulen, im Altenheim und Krankenhäuser.

Und falls man Probleme hat, steht einem sein Träger zur Seite. Bei mir sind das die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“. Sie begleiten einem kurz vor dem Jahr, und während des Jahres in 5 Seminaren zu sozialen Themen wie Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege.

Wie bist du auf den Sonnenhof gekommen? Das war bei mir purer Zufall. Ich war schon etwas spät dran mit Bewerbungen für ein FSJ und habe im Internet nach Trägern gesucht bei denen ich mich noch bewerben kann. Ich fand das einfacher als mich bei einzelnen Einsatzstellen zu bewerben. Und da habe ich mich unter anderem bei den ‚Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners‘ beworben, die mich dann an den Sonnenhof weitergeleitet haben. Ich hatte dann mit dem Sonnenhof telefoniert und einen Hospitier Tag Mitte August abgemacht. Und am 1.September 2012 bin ich dann auf den Sonnenhof gezogen und mein FSJ hat angefangen.

In welchem Haus arbeitest du? Ich arbeite im Lärchenhaus und bin immer mit einer anderen Fachkraft im Dienst. Im Lärchenhaus wohnen sieben zu Betreuende, vier im Erdgeschoss und drei im 1. Stock. Um die drei Bewohner im ersten Stock kümmere ich mich.            

Was sind deine Aufgaben? Ich wecke die Bewohner, leiste Hilfestellung beim waschen und umziehen, begleite die Bewohner bei ihren täglichen Aufgaben und versuche ihnen in ihrer Freizeit eine angenehme Zeit zu bereiten.

Wie ist dein Tagesablauf? Ich fange morgens um 6:30Uhr an, als erstes koche ich Tee dann wecke ich die Bewohner und helfe ihnen falls nötig beim fertig machen für das Frühstück, welches um 7:30 anfängt. Wenn alle Bewohner vom Lärchenhaus fertig sind machen wir noch einen kleinen Morgenkreis wobei wir einen Spruch aus dem Seelenkalender vorlesen und uns dann einen Guten Morgen wünschen und frühstücken. Das Frühstück geht meistens bis kurz nach 8. Dann danken wir gemeinsam, der Tisch wird abgeräumt und falls nötig Müll/Altglas/Papier rausgebracht.

20 vor 9 fangen wir an Schuhe anzuziehen und die Bewohner in den Morgenkreis an dem der gesamte Hof teilnimmt zu schicken/bringen. Danach ist noch bis halb 10 Zeit die restlichen Sachen zu machen wie Eintragungen in die Mappen und das Gruppenbuch und Wäsche.

Dann habe ich von halb 10 bis halb 5 frei, gehe aber immer um halb 1 zum Mittagessen ins Lärchenhaus und verbringe auch die Pause dort mit den Mitarbeitern aus der Werkstatt.

Um halb 5 fange ich damit an die Bewohner zu Hause zu begrüßen. Helfe wieder bei den täglichen Aufgaben und wenn das Wetter mitspielt machen wir auch gerne einen Spaziergang um etwas frische Luft zu kriegen. Um 6 gibt es Abendessen das wieder ungefähr eine halbe Stunde dauert. Manchmal lesen wir noch eine Geschichte und machen einen Abendkreis.

Und jeden Tag gibt es Besonderheiten, Montags ist ein Musikkreis, Mittwochs  ist Männerschwimmen und Frauenstammtisch, Mittwochs und Donnerstags werden einige Bewohner von Mitarbeitern der Norle (Normales Leben) abgeholt und sie unternehmen etwas zusammen und Freitags fahren wir zusammen kegeln.

 

Was ist das Schönste was du bis jetzt hier erlebt hast? Wirklich ein schönstes Erlebnis hab ich nicht, aber besonders im Gedächtnis geblieben ist mir wie ich in dem zweiten Monat einmal zur Arbeit kam und ein Bewohner, den ich davor so gut wie gar nicht sprechen gehört habe, grinsend auf mich zu kam mir die Hand reichte und ‚Hallo Samantha‘ zu mir sagte. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet dass er meinen Namen kennt oder sich so freut wenn ich komme.

Was hat dir dein FÖJ/FSJ gebracht? Ich habe schon am Anfang gemerkt, dass es für mich die richtige Entscheidung war. Einmal als Schlussstrich hinter meiner Schulzeit und um Selbstständiger zu werden.

Durch dieses Jahr habe ich weniger Berührungsangst zu anderen Menschen und bin selbstsicherer geworden.  Ich bin über meinen Schatten gesprungen, denn am Anfang hätte ich nie gedacht, dass ich das mit der Pflege hinkriegen würde. Doch es fiel mir dann überraschend leicht mich daran zu gewöhnen mich so um anderen Menschen zu kümmern.

Was hast du nach deinem FÖJ/FSJ vor? Was ich nach meinem freiwilligen sozialen Jahr machen möchte bin ich mir noch gar nicht so sicher, ich hab einige Ideen aber hab mich noch nicht festgelegt. Ich schwanke zwischen einem Au-pair Jahr und einem Kunststudium.

 

Das Lärchenhaus